Die Frage klingt nach einer Kostenfrage, ist aber eine Qualitätsfrage. Ob eine Website von einer KI oder von einer Agentur gebaut wird, entscheidet nicht darüber, ob sie existiert. Es entscheidet darüber, was auf ihr steht und ob jemand darauf reagiert.
Zwei KI-Routen, die ständig verwechselt werden
Wenn heute jemand sagt, er lasse seine Website mit KI erstellen, meint er eine von zwei sehr unterschiedlichen Sachen. Die erste Route ist der geführte KI-Baukasten: Sie beantworten ein paar Fragen zu Ihrem Unternehmen, und Wix, IONOS oder Hostinger erzeugen daraus eine vollständige Seite samt Text und Bildern. Die zweite Route ist der freie Codegenerator: Sie beschreiben, was Sie wollen, und bekommen HTML, CSS und JavaScript zurück, die Sie selbst hosten.
Der Unterschied ist größer als der Name vermuten lässt. Der Baukasten zwingt Sie in ein geprüftes Gerüst und lässt Ihnen wenig Spielraum, Fehler zu machen. Der Codegenerator erlaubt Ihnen alles, einschließlich der Fehler. Beide werden im selben Atemzug empfohlen, und beide sind für unterschiedliche Fälle richtig.
Die Arbeit beginnt nach dem Generieren, nicht davor
Cybernews hat für seinen Vergleich 2026 vierunddreißig Anbieter geprüft und stützt sich dabei ausschließlich auf Praxistests der vorangegangenen drei Monate. Aufschlussreich ist nicht das Ergebnis, sondern die Gewichtung: Zeit bis zur Veröffentlichung und KI-Tools zählen je fünfundzwanzig Prozent, die erforderliche Qualität der Eingabeaufforderungen zwanzig Prozent, der Bearbeitungsaufwand nach dem Generieren fünfzehn Prozent.
Mit anderen Worten: selbst ein Test, der diese Werkzeuge empfiehlt, behandelt das Nachbearbeiten als eigene Disziplin mit eigenem Gewicht. Die Minuten, in denen die Seite entsteht, sind nicht der Aufwand. Der Aufwand kommt danach.
Die Messlatte: 56 Fehler auf einer durchschnittlichen Startseite
WebAIM prüft seit acht Jahren die Startseiten der Top eine Million Websites. Der Bericht vom März 2026 mit Daten aus Februar 2026 zählt 56,1 automatisch erkennbare Barrierefreiheitsfehler pro Startseite, 10,1 Prozent mehr als die 51 Fehler im Vorjahr. 95,9 Prozent aller Startseiten hatten erkennbare WCAG-Verstöße, nach 94,8 Prozent im Jahr davor. Das kehrt sechs Jahre langsamer Verbesserung um.
Der zweite Wert erklärt den ersten: eine durchschnittliche Startseite besteht inzwischen aus 1.437 Elementen, 22,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auf jedes 26. Element kommt ein Fehler. Deutschsprachige Seiten stehen dabei besser da als der Schnitt, 36.134 gemessene Seiten kommen auf 46,9 Fehler und damit 16,4 Prozent unter den Durchschnitt, Domains mit der Endung de auf 46,3.
Diese Entwicklungen spiegeln vermutlich breitere Verschiebungen in der Webentwicklung wider, darunter eine stärkere Abhängigkeit von Frameworks und Bibliotheken Dritter sowie automatisierte oder KI-gestützte Programmierpraktiken. WebAIM Million, Bericht 2026
Der überraschende Teil: die Baukästen schneiden besser ab
Im selben Datensatz sind die Zahlen für die Baukastenplattformen deutlich besser als der Durchschnitt. Seiten auf Squarespace kommen auf 33,0 Fehler, Seiten auf Wix auf 33,3, beide rund vierzig Prozent unter dem Mittelwert. WordPress liegt bei 52,8. Wer also glaubt, die geführten Systeme seien das Problem, liegt falsch. Ein enges System produziert saubere Mechanik, gerade weil es wenig erlaubt.
Genau daraus folgt die eigentliche Aussage. Wenn die Technik im Baukasten stimmt, dann liegen die verbleibenden Schwächen nicht in der Technik. Sie liegen im Inhalt, und den erzeugt die KI ebenfalls.
Sechs Fehlerarten, und alle sechs sind Entscheidungen
96 Prozent aller gefundenen Fehler fallen in sechs Kategorien, und es sind seit sieben Jahren dieselben sechs:
- Zu geringer Textkontrast auf 83,9 Prozent aller Startseiten, im Schnitt 34 Stellen pro Seite
- Fehlende Alternativtexte für Bilder auf 53,1 Prozent der Seiten
- Nicht beschriftete Formularfelder auf 51 Prozent der Seiten, ein Drittel aller Felder ist betroffen
- Leere Links auf 46,3 Prozent der Seiten
- Leere Schaltflächen auf 30,6 Prozent der Seiten
- Fehlende Sprachauszeichnung auf 13,5 Prozent der Seiten
Keine dieser sechs Sachen ist ein Programmierproblem. Ein Kontrastwert ist eine Gestaltungsentscheidung. Ein Alternativtext ist eine inhaltliche Entscheidung, denn nur Sie wissen, warum das Bild auf der Seite steht. Eine Feldbeschriftung ist eine Entscheidung darüber, was Sie von Ihrem Besucher wissen wollen. Ein Generator kann das raten, und er rät meistens plausibel. Er weiß es nicht.
Was Google zu automatisch erzeugten Seiten sagt
Die Dokumentation von Google Search Central, Stand 10. Dezember 2025, ist in diesem Punkt eindeutig. Generative KI sei nützlich, um ein Thema zu recherchieren und Struktur in eigene Inhalte zu bringen. Werkzeuge dieser Art einzusetzen, um viele Seiten ohne Mehrwert für Nutzer zu erzeugen, könne dagegen gegen die Spam-Richtlinie zu Scaled Content Abuse verstoßen. Google bewertet also nicht das Werkzeug, sondern den Beitrag der Seite.
Im selben Dokument steht der praktische Teil: Genauigkeit, Qualität und Relevanz gelten ausdrücklich auch für Metadaten, also Seitentitel, Beschreibungen, strukturierte Daten und Alternativtexte für Bilder. Das sind genau die Felder, die ein Generator am liebsten mit Füllmaterial belegt. Wer eine Website entwickeln lassen will, die Anfragen bringt, prüft diese Felder zuerst.
Das Ergebnis Zeile für Zeile
| Bestandteil der Seite | Was die KI liefert | Was Sie danach prüfen müssen |
|---|---|---|
| Struktur und Navigation | Vollständige Seitenhierarchie in Minuten | Ob die Reihenfolge Ihrem Verkaufsweg folgt und nicht der Branchenvorlage |
| Texte | Grammatisch sauber, thematisch passend | Ob ein einziger Satz darin steht, den ein Wettbewerber nicht genauso schreiben könnte |
| Bilder | Generierte oder Stockmotive im passenden Stil | Alternativtexte, Nutzungsrechte und ob echte Fotos glaubwürdiger wären |
| Farben und Kontraste | Ein stimmiges Farbschema | Kontrastwerte, die häufigste Barriere im Netz überhaupt |
| Formulare | Ein funktionierendes Kontaktformular | Beschriftung jedes Feldes und wohin die Anfrage tatsächlich läuft |
| Metadaten | Titel und Beschreibung für jede Seite | Ob sie die Suchanfrage treffen, mit der Ihre Kunden suchen |
| Rechtstexte | Vorlagen für Impressum und Datenschutz | Ihre echten Angaben, eingesetzte Dienste und Auftragsverarbeiter |
Wann die KI-Route die richtige Entscheidung ist
- Sie eröffnen nächste Woche und brauchen vor allem Adresse, Leistungen und Telefonnummer im Netz
- Sie testen eine Geschäftsidee und wollen wissen, ob überhaupt jemand anfragt
- Sie brauchen eine einzelne Landingpage für eine Kampagne mit klarem Ende
- Ihre Seite muss an kein anderes System angebunden werden
In allen vier Fällen wäre eine Agentur die teurere Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat. Ein Kiosk in Köln braucht keine individuelle Architektur, er braucht Öffnungszeiten, die stimmen.
Woran Sie merken, dass Sie an die Grenze stoßen
- Ihre Texte lesen sich wie die Ihres Wettbewerbers, weil beide aus derselben Vorlage stammen
- Anfragen kommen an, aber niemand weiß, wer sie beantwortet und wie schnell
- Sie brauchen eine Anbindung an CRM, Warenwirtschaft oder Terminbuchung
- Sie können nicht beantworten, welche Seite welche Anfrage ausgelöst hat
- Zwei Sprachen, mehrere Standorte oder Rollen mit unterschiedlichen Rechten
Was eine Agentur in diesem Bild noch beiträgt
Nicht das Tippen von HTML. Eine Agentur, die 2026 noch damit argumentiert, dass sie Seiten von Hand baut, argumentiert am Markt vorbei. Der Beitrag liegt in den Entscheidungen davor und danach: welches Versprechen die Startseite macht, in welcher Reihenfolge die Seiten stehen, welche Anfrage gemessen wird, was mit ihr geschieht, und welche der sechs Fehlerarten oben auf Ihrer Seite tatsächlich vorkommen.
Die ehrliche Version lautet deshalb: die Agentur benutzt dieselbe KI. Der Unterschied ist, dass jemand haftet für das, was danach stehen bleibt.
Sie haben eine Website mit KI gebaut und wollen wissen, was sie kostet, statt was sie gekostet hat? Wir prüfen Ihre Seite kostenlos auf Kontraste, Formulare, Metadaten und die eine Frage, ob ein Besucher versteht, was Sie besser können als der nächste Anbieter.
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