Was ein Baukasten wirklich gut kann
Für eine Visitenkartenseite mit fünf Unterseiten, Kontaktformular und Öffnungszeiten ist ein Homepage-Baukasten die schnellste Lösung, die es gibt. Sie zahlen keine Einrichtungsgebühr, im Vergleich von STRATO aus dem Jahr 2026 liegt sie bei allen fünf verglichenen Anbietern bei 0 Euro, und Sie sind an einem Nachmittag online. Wer heute ein Ladengeschäft in Hamburg eröffnet und morgen gefunden werden will, macht mit Jimdo oder Wix nichts falsch.
Die Frage ist also nicht, ob ein Baukasten funktioniert. Er funktioniert. Die Frage ist, was passiert, wenn Ihr Unternehmen über die Standardseite hinauswächst, und wie teuer dieser Moment dann wird.
Die Miete, die niemand hochrechnet
Der STRATO-Vergleich 2026 stellt die Standardpreise der fünf bekanntesten Anbieter nebeneinander: STRATO 7 bis 70 Euro im Monat, GoDaddy 14,99 bis 40 Euro, Squarespace 11 bis 42 Euro, Jimdo 11 bis 57 Euro und Wix 17 bis 177 Euro. Die Business-Tarife, mit denen ein Unternehmen tatsächlich arbeitet, liegen fast immer im mittleren Bereich dieser Spannen.
Rechnen Sie das einmal hoch. Ein Tarif für 25 Euro im Monat kostet 300 Euro im Jahr und 1.500 Euro in fünf Jahren. Ein Tarif für 57 Euro im Monat kostet 684 Euro im Jahr und 3.420 Euro in fünf Jahren. Dazu kommen bei manchen Anbietern Mindestvertragslaufzeiten von bis zu 60 Monaten, bei Jimdo und Wix bis zu 24 Monaten.
Das ist kein Skandal, sondern schlicht der Unterschied zwischen Miete und Besitz. Nur sollte man ihn kennen, bevor man die Entscheidung für fünf Jahre trifft: Am Ende der Laufzeit haben Sie eine laufende Website, aber nichts, was Sie mitnehmen können.
Der Punkt, an dem es unangenehm wird: der Umzug
Das ist kein Vorwurf an einen einzelnen Anbieter, sondern die Bauweise dieser Systeme. Wix schreibt es im eigenen Hilfe-Center offen hin:
Damit Ihre Website richtig funktioniert, muss sie auf den Servern von Wix gehostet und betrieben werden.
Die Inhalte gehören laut Wix weiterhin Ihnen. Die Website selbst können Sie nicht exportieren und woanders betreiben, weil die Architektur externes Hosting nicht vorsieht. Jimdo beschreibt den Anbieterwechsel in seinem eigenen Magazin genauso praktisch: Texte in ein Dokument kopieren, alle Bilder in einen Ordner speichern, eine Liste der genutzten Widgets anlegen und die Website beim neuen Anbieter neu aufbauen.
Ein Umzug ist in diesen Systemen also kein Umzug, sondern ein Neubau. Wer nach drei Jahren wechselt, zahlt die Erstellung ein zweites Mal.
Drei Grenzen, an die Unternehmen im Baukasten stoßen
- Eigene Abläufe: Kundenlogin, Rollen und Rechte, Terminbuchung mit Kapazitätsprüfung, Preisrechner, ein Portal für Bestandskunden.
- Anbindungen: CRM, Warenwirtschaft, Zahlungsanbieter oder eine eigene Schnittstelle, die Daten in beide Richtungen überträgt.
- Datenhoheit: Der Serverstandort unterscheidet sich je Anbieter deutlich. Laut dem STRATO-Vergleich liegen die Server bei Squarespace in den USA, bei GoDaddy in den USA, Singapur und Amsterdam, bei Wix in Nordamerika und der EU, bei Jimdo in der EU und bei STRATO in Deutschland und der EU.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Handwerksbetrieb in Köln will Termine online buchbar machen, aber nur dann, wenn im Kalender der Monteure noch Kapazität frei ist. Im Baukasten endet das bei einem Formular, das eine Mail schickt. Sobald echte Logik dahinter soll, ist die Grenze erreicht, und ab dort wird jede Zusatzfunktion zu einem externen Werkzeug mit eigenem Abo.
Baukasten oder programmierte Website: die Kriterien
| Kriterium | Homepage-Baukasten | Programmierte Website |
|---|---|---|
| Zeit bis online | Stunden bis Tage | Wochen |
| Kostenmodell | Monatliche Miete, dauerhaft | Einmalige Erstellung plus Betrieb |
| Eigene Logik und Rollen | Kaum, nur über Zusatz-Abos | Frei umsetzbar |
| Anbindung an CRM oder ERP | Nur was der Anbieter vorsieht | Über eigene Schnittstellen |
| Anbieterwechsel | Neubau der Website | Code und Inhalte umziehen mit |
| Serverstandort | Vom Anbieter vorgegeben | Frei wählbar, auch Deutschland |
| Inhalte pflegen | Sehr einfach, ohne Technikwissen | Nur mit passendem Redaktionssystem |
| Wartung | Übernimmt der Anbieter | Gehört in den Vertrag |
Eine Warnung noch, weil sie oft anders verkauft wird: Programmierter Code ist nicht automatisch schneller oder besser bei Google. Ladezeit entsteht durch Architektur, Bilder und saubere Umsetzung, nicht durch das Etikett. Wer eine individuelle Website bauen lässt und Performance nicht ausdrücklich fordert, bekommt sie auch nicht.
Für wen der Baukasten die richtige Entscheidung bleibt
Wenn Ihre Website im Kern eine gut gepflegte Broschüre ist, Sie unter zwanzig Unterseiten bleiben, keine Anbindung an interne Systeme brauchen und niemand im Team Technik anfassen möchte, bleiben Sie beim Baukasten. Der Wechsel würde Geld kosten und nichts lösen. Das gilt für viele Vereine, Praxen und kleine Dienstleister völlig zu Recht.
Was im Vertrag stehen sollte, damit Sie unabhängig bleiben
- Code-Eigentum und Zugang zum Repository, schriftlich und ab dem ersten Tag.
- Dokumentation zu Setup, Hosting und Deployment, damit ein anderes Team weiterarbeiten kann.
- Ein Redaktionssystem, in dem Ihr Team Texte und Bilder ohne Entwickler ändert.
- Wartung: Updates, Backups, Monitoring, Reaktionszeit bei Ausfall.
- Die laufenden Betriebskosten, offen aufgeschlüsselt nach Hosting, Domain und Monitoring.
Diese fünf Punkte trennen ein Projekt, das Ihnen gehört, von einer neuen Abhängigkeit mit anderem Namen. In unserer Webentwicklung gehören sie zum Angebot, nicht zur Verhandlung.
Unsicher, ob sich der Wechsel in Ihrem Fall rechnet? Wir schauen uns Ihre bestehende Seite an und sagen Ihnen ehrlich, ob ein Baukasten weiter reicht oder ab welchem Punkt eigener Code günstiger wird. Kostenloses Audit, ohne Verpflichtung.
Kostenloses Audit anfragen